„A“ wie richtig gut Zuhören lernen

Titel

Zuhören ist sehr viel schwieriger, als gemeinhin angenommen wird; wirkliches Zuhören bedeutet, uns selbst völlig loszulassen, alle Informationen, Konzepte, Vorstellungen und Vorurteile fallenzulassen, mit denen unsere Köpfe so vollgestopft sind.

In Deinem Kopf hüpfen die Gedanken wie hyperaktive Kinder nach zwanzig Kaffees und einer meterlangen Line Koks. Du identifizierst Dich mit diesen Gedanken, glaubst, sie seien Du. Doch du bist nicht diese Gedanken, die wiederum Deine Gefühle und Handlungen auslösen.

Im Moment allerdings bist Du noch wie eine Marionette dieser Gedanken. Ich hatte ein bewegtes Leben, sprach die Marionette.

Der Marionette war ihr Schicksal nicht bewusst. Sie identifizierte sich so sehr mit den Stricken an ihren Körperteilen, dass sie nicht mehr merkte, wie fest sie an ihnen dran und wie stark sie von ihnen abhängt.

Du bist eine wie Marionette einer Gedanken. Du hängst so sehr an ihnen, dass sie Dich steuern, Dich hierhin springen lassen und dann dorthin und dann wieder hierhin und zurück und wieder vor. So sehr, dass Du gar nicht mehr weißt, wo hinten und vorne ist, und was jetzt gerade passiert, in diesem Moment.

Das passiert normalerweise auch, wenn Du zuhörst. Der Andere redet und Du interpretierst und machst aus seinen Worten etwas anderes, als sie wahrhaftig bedeuten, Du unterbrichst ihn, willst aus Deinem irre üppigen Erfahrungsschatz plaudern, Lösungen vorschlagen, korrigieren, oder driftest ab und denkst über dieses und jenes nach. Die Worte des Anderen gehen links rein und rechts raus, Deine Gedanken von links nach rechts, und Du mit ihnen, immer weiter hinaus aus dem Ort und dem Moment, in dem Du eigentlich gerade bist.

Du kannst es aber auch anders machen.

Du kannst Zuhören als eine Meditation nutzen.

Wenn Du Zuhören als Meditationsübung nutzt, wirst Du das Karussell Deiner Gedanken und Gefühle beobachten lernen. Und lernen, Dich von Ihnen zu lösen und so gegenwärtig und präsent zu sein wie die Gegenwart selbst. Und nebenbei kannst Du Dich in Mitgefühl üben und Deine Beziehungen auf eine neue, tiefere Ebene bringen, Dich so verbunden mit dem Anderen, mit Dir selbst und mit der Welt fühlen, wie vielleicht nie zuvor in Deinem Leben.

Acht Regeln, wenn man durch Zuhören zur Erleuchtung gelangen will.

Die „acht A-s des Zuhörens“ oder „die alte AAAAAAAA-Technik“.

A wie  Ablenkungen eliminieren: so wie Du nicht auf einer Baustelle voller Krawall meditierst, weil es Dich zu stark ablenken würde, solltest Du auch beim Zuhören so viele mögliche Ablenkungen wie möglich auszuschalten.

A wie Angemessene Haltung wahren: wenn Dein Körper schlaff ist wie ein nasses Handtuch, wirst Du Dich nicht konzentrieren können. Sei nicht zu entspannt und nicht zu angespannt, und signalisiere dem Anderen auch mit Deinem Körper, dass Du ihm zuhörst.

A wie Atmen: atme ruhig und tief in Deinen Bauch hinein. Das wird Dir helfen, seltener von Deinen Gedanken aus dem Moment in die Vergangenheit oder Zukunft gezerrt zu werden.

A wie Aufmerksam bleiben: wenn Deine Gedanken abdriften, lenke Deine Aufmerksamkeit wieder sanft zurück zum Gespräch.

A wie Auch auf das hören, was er nicht sagt: aber nicht zu voreilig, indem Du urteilst und unterstellst, dass er die Welt durch dieselbe Brille sehen muss wie Du. Gegebenenfalls nachhaken: „Habe ich Dich richtig verstanden, dass …“.

A wie Auf den Anderen eingehen: in welcher Situation befindet er sich? Wie wird es ihm wohl damit gehen?

A wie  Auf keinen Fall unterbrechen (es sei denn…): Du hast den Impuls, den Anderen zu unterbrechen? Nimm den Impuls wahr, erkenne ihn an, aber folge ihm nicht (es sei denn, Du kannst echt nicht mehr, z.B. weil er sich inzwischen zum zehnten Mal wiederholt).

A wie Achtsames, anhaftungsloses In-Dich-Hineinhorchen: was geschieht in Dir, neben Deinem Impuls, den Anderen zu unterbrechen? Wie fühlst Du Dich? Lass Deine Gedanken und Gefühle kommen und gehen, heiße sie willkommen, wenn sie kommen, und lasse sie wieder los, wenn sie gehen wollen.

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